APPLAUS 2025: Das LOCH wird zum neunten Mal ausgezeichnet
Die Ehrung unterstreicht die Qualität und Relevanz des LOCH Programms
In der Kategorie „Beste Livemusikprogramme“ erhält das LOCH 2025 eine der höchsten bundesweiten Auszeichnungen.
Bei der diesjährigen Verleihung des APPLAUS-AWARD, dem wichtigsten bundesweiten Preis für unabhängige Livemusikspielstätten in Deutschland, wurde das LOCH zum neunten Mal in Folge ausgezeichnet. In der Kategorie „Beste Livemusikprogramme“ erhält das LOCH 2025 eine der höchsten bundesweiten Auszeichnungen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verlieh in der Münchner Muffathalle insgesamt 88 Preise mit einem Gesamtfördervolumen von 1,7 Millionen Euro.
Die Ehrung unterstreicht die herausragende Qualität und Relevanz des LOCH Programms, das experimentelle Kunstformen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet.
Profil eines herausragenden Programms
Das LOCH versteht sein Musikprogramm als Raum für aktuelle Musik, in dem lokale Traditionen neu verhandelt und zugleich internationale Impulse sichtbar werden. Das Programm zeichnet sich vor allem durch seinen spartenübergreifenden und experimentellen Ansatz aus. Dabei knüpft das LOCH bewusst an die Free-Jazz-Historie Wuppertals an, erweckt sie jedoch auf innovative Weise zu neuem Leben. Dadurch werden nicht nur etablierte Kunstformen gefördert, sondern auch das Experimentieren in den Fokus gestellt. Im LOCH werden von etablierten Musikerinnen und Newcomern gleichermaßen immer wieder neue Wege gegangen und unbekannte Sounds entdeckt. Damit bildet das Programm ein Spannungsfeld aus international renommierten Musikerinnen und offenen Entwicklungsräumen für junge künstlerische Positionen.
Im Jahr 2024 präsentierte das LOCH Musiker*innen und Bands, die stilistische Grenzen ausloten und mit ihren Arbeiten internationale Relevanz besitzen. Zu den Höhepunkten zählen u. a. Emma Rawicz, Manu Delago feat. Mad about Lemon, Goldings/Bernstein/Stewart, Lucia Cadotsch AKI, Shuteen Erdenebaatar Quartet, Sirens of Lesbos, Kuntari und Hańba, sowie der Wuppertaler Newcomer Schramm, der am 13.12. zu seiner „you could call it a Homecoming Show“ zurück auf die LOCH Bühne kommt oder Nik Bärtsch’s Ronin, welche die neue PIANO NIGHTS Reihe am 30.11.2025 eröffnen werden.
Seit 2022 stärkt das LOCH die Nachwuchs-Live- und DJ-Szene durch zusätzliche Programmlinien und bietet mit den monatlichen Tumult Sessions eine offene Bühne für junge Bands und regionale Acts.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 245 Veranstaltungen realisiert, davon waren 162 Live-Musikformate. Damit erreichte das LOCH 27.604 Besucher*innen – ein deutliches Zeichen für die Relevanz und Zugkraft des Programms. Gleichzeitig entstanden 2024 neue Formate wie LOCHen, die eine aktive Mitgestaltung und Partizipation der Wuppertaler Kulturszene und Stadtgesellschaft ermöglichen.
Wert einer Kulturinstitution
Beim Applaus gab es viel Anerkennung für die Kultur und ihre Spielstätten. Worte, die das Herz erwärmen und die für einen kurzen Moment die strukturellen Herausforderungen in den Hintergrund treten lassen. Als freier Raum für Kunst, Kultur und Gemeinschaft, als gemeinnützige Struktur und als ein Ort, an dem Wuppertal sich neu erfinden, irritieren, sammeln und miteinander streiten kann, prägt das LOCH die Identität einer Stadtgesellschaft. In kulturellen Räumen wie dem LOCH wird Demokratie geübt, bevor sie gelebt werden kann. Kultur ist demokratische Grundversorgung und damit zentrale Grundlage einer Stadtgesellschaft. Das Wuppertaler Kulturbüro formuliert es klar: Kunst und Kultur sind die Basis einer positiven Entwicklung der Stadtgesellschaft. Ohne Kultur verliert eine Stadt etwas Wesentliches – ihre Identität. (https://www.wuppertal.de/microsite/kulturbuero/kulturbuero/index.php)
Zwischen Anerkennung und fehlender Struktur
Trotz der Auszeichnung bleibt der Fortbestand freier Kunst- und Kulturräume abhängig von Haushaltslagen und projektbezogenen Förderlogiken. Auf kommunaler Ebene fehlt es weiterhin an Mitteln um die kulturelle Grundversorgung nachhaltig zu sichern. Zwar empfiehlt der Wuppertaler Kulturausschuss eine Verdopplung der institutionellen Förderung ab 2026, doch diese Empfehlung ist nicht beschlossen. Ob die Anpassung umgesetzt wird, hängt vom noch ausstehenden Doppelhaushalt 2026/27 ab und lässt damit keine verlässliche Planbarkeit zu.
Kulturorte sind keine gewinnorientierten Unternehmen. Sie entstehen dort, wo Gesellschaft stattfinden soll. Ihre Existenz basiert auf dem politischen und gesellschaftlichen Willen, solche Orte zu ermöglichen. Unzureichende Förderungen gefährden nicht nur einzelne Institutionen, sondern auch die gesellschaftliche Vielfalt und die kollektive Reflexion, die durch Kunst und Kultur überhaupt erst möglich wird.
Die Süddeutsche Zeitung formuliert die Problematik der strukturellen Unterfinanzierung freier Kultur drastisch: „Wenn es so viel Geld gäbe wie warme Worte, dann hätte die Szene keine Probleme (…) Das Eigenlob der Politiker hält der Realität nicht stand. (…) Der Befund bleibt auch im zwölften Jahr derselbe (…) Es sind Alibi-Veranstaltungen, die das Fehlen von struktureller, nachhaltiger Förderung überdecken.“ (https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-applaus-preisverleihung-musikszene-li.3328685)
Was der APPLAUS 2025 bedeutet
Die erneute Würdigung durch den APPLAUS bestätigt die Qualität und gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit des LOCHs. Der APPLAUS stärkt die öffentliche Sichtbarkeit und unterstützt in kulturpolitischen Gesprächen.
Als gemeinnützige Institution ohne Gewinnorientierung ist das LOCH auf dezidierte öffentliche Förderung angewiesen. Der verlässliche kommunale Ausbau institutioneller Strukturen bleibt zentral, um Qualitätsprogramme langfristig zu sichern. Wenn den Worten Glauben geschenkt werden darf und Kultur als Grundversorgung verstehen, dann darf ihr Fortbestand nicht in jeder neuen Haushaltsrunde erneut zur Disposition stehen. Kultur als Grundversorgung gibt der Stadtgesellschaft die Fähigkeit, sich selbst verstehen zu können.
Der APPLAUS würdigt nicht nur die künstlerische Qualität des LOCH Programms, sondern auch den Auftrag als Ort für Kunst, Kultur und Gemeinschaft. Er bestätigt die Bedeutung dessen, was das LOCH tut.
Der APPLAUS ist:
ein Ausdruck der Anerkennung der programmatischen und gesellschaftlichen Arbeit,
ein kulturpolitisches Signal für die Bedeutung unabhängiger Kulturorte,
ein Hebel in politischen Verhandlungen,
eine Stärkung der Sichtbarkeit
und eine Ermutigung, weiterhin Programme zu entwickeln, die Diversität, junge Künstler*innen und neue Perspektiven fördern.
Das LOCH bedankt sich bei dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Jury sowie allen Künstlerinnen, Partnerinnen und Besuchenden, die das LOCH zu einem lebendigen Kulturort machen. Herzliche Glückwünsche gehen an die Kolleg*innen vom domicil, dem King Georg und der Insel, die ebenfalls ausgezeichnet wurden.
Kultur ist kein „nice to have“. Kultur ist systemrelevant.